Andreas Ras MSc

Oralchirurgie Implantologie Zahnmedizin
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Geschichte der Lachgassedierung

Gase als Partydrogen und Jahrmarktsbelustigung

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts konnte 

man von einer Operation ohne Schmerzen

nur träumen. 1839 schrieb der berühmte 

französische Chirurg Louis Velpeau: "Die 

Vermeidung von Schmerzen bei 

Operationen ist eine märchenhafte 

Vorstellung und man sollte sich heute 

nicht mehr damit abgeben." Die meisten 

seiner Zeitgenossen gaben ihm dabei 

Recht. Kaum einer ahnte, dass die 

scheinbar vergebliche Hoffnung auf 

schmerzfreie Operationen bald erfüllt 

werden sollte – und dass die Mittel dazu bereits vorhanden waren. Denn 

zwei Gase, die schon zu Velpeaus Zeiten als Partydrogen, auf Jahrmärkten 

oder in Varietés für Belustigung sorgten, sollten bald in den Dienst der 

Medizin treten: Lachgas und Äther. 

Vom Varieté in die Zahnarztpraxis: Selbstversuche mit Lachgas

Am 10. Dezember des Jahres 1844 

besuchte der Zahnarzt Horace Wells (1815- 

1848) in der Kleinstadt Hartford nahe 

Boston eine solche Varieté-Vorstellung. 

Dabei beobachtetet er etwas Sonderbares: 

Ein Mann zog sich im Lachgasrausch eine 

große Wunde im Unterschenkel zu, schien 

dabei aber keinerlei Schmerz zu 

empfinden. Niemand sonst fiel diese 

merkwürdige Begebenheit auf. Doch Wells 

ließ gleich am nächsten Tag den Varieté- 

Chef, einen gewissen Colton, in seine Praxis 

kommen und sich mit Lachgas betäuben. Ein Weisheitszahn, der ihn selbst 

seit längerem plagte, sollte die Probe aufs Exempel abgeben. Die Operation

glückte – Wells spürte bei der Extraktion des Zahns durch seinen Gehilfen 

nur ein schwaches Ziehen 

Die erste Lachgas-Narkose war ein peinlicher Fehlstart

Danach testete der Zahnarzt seine 

Entdeckung erfolgreich an Dutzenden 

seiner Patienten, bevor er fünf Wochen 

später, am 25. Januar 1845, an die 

Öffentlichkeit ging. Im Massachusetts 

General Hospital in Boston sollte die 

narkotisierende Wirkung von Lachgas 

vor dem berühmten Chirurgen John 

Collin Warren und anderen wichtigen 

Persönlichkeiten demonstriert werden. 

Doch die Vorführung misslang: Wells 

musste den Ballon mit dem Lachgas zu 

früh zurückziehen, weil der Chirurg auf einen raschen Beginn des Eingriffs 

drängte. Die Dosis war zu gering, der Patient schrie auf vor Schmerz und 

Horace Wells musste unter Hohngelächter den Hörsaal verlassen. 

Die Geburtsstunde der modernen Anästhesie

Inzwischen hatte ein ehemaliger 

Angesteller und Schüler von Wells, 

William Thomas Green Morton (1819- 

1868), das Potenzial von Wells' 

Entdeckung erkannt und ebenfalls mit 

Untersuchungen zur Anästhesie 

begonnen. Allerdings benutzte er nicht 

Lachgas wie Wells, sondern 

experimentierte mit Äther, einem leichter 

verfügbaren, da flüssigen Stoff. Nach 

zahlreichen Ätheranästhesien an seinen 

Patienten wandte er sich wie vor ihm Wells 

an den berühmten Chirurgen Warren, um mit seinem Verfahren an die 

Öffentlichkeit zu gehen. Morton erkannte, dass Äther als Dampf aus einem 

geschlossenen Behälter eingeatmet werden sollte. Bisher hatte man ihn 

auf ein Taschentuch geträufelt, Morton entwickelte einen Glaskolben mit 

zwei Öffnungen. In diesem befand sich ein äthergetränkter Schwamm. Der 

Patient atmete durch diesen Glaskolben hindurch die Mischung aus Luft 

und Äther ein, die Ausatmung erfolgte über ein Ventil. Das erste halboffene 

Narkosesystem war geboren. Morton ließ einen Patienten, einen 

zwanzigjährigen Druckergehilfen, drei Minuten lang Luft aus dem 

Glaskolben einatmen. Der Mann wurde bewusstlos, und der Chirurg schnitt 

einen Tumor an seinem Hals in wenigen Minuten heraus. Am Ende der 

Prozedur stöhnte der Patient, doch nach dem Aufwachen gab er an, keine 

Schmerzen gehabt zu haben. Am nächsten Tag wurde das Verfahren erneut

erprobt – abermals erfolgreich. Das Zeitalter der modernen Anästhesie war 

angebrochen.

Siegeszug der Inhalationsnarkose

In Europa verbreitete sich die Kunde der ersten Äthernarkose schnell, aber 

die Skepsis gegenüber der Möglichkeit von schmerzfreien Operationen war 

so groß, dass man die Sache zunächst als typischen "Yankee-Unsinn" 

abtat. Doch nach den ersten in Europa durchgeführten Narkosen war der 

Siegeszug der Ätherbetäubung nicht mehr aufzuhalten. In der Folgezeit 

schien zunächst das 1831 entdeckte Chloroform Äther als 

Inhalaltionsmittel der Wahl zu verdrängen, doch es kam dabei immer 

wieder zu Todesfällen durch Überdosierung, so dass sich ab den 1870er 

Jahren Äther endgültig durchzusetzen begann. Auch Lachgas erlebte Ende 

des 19. Jahrhunderts eine Renaissance 

Ende mit Selbstmord - unter Narkose

Horace Wells jedoch erlebte den Triumphzug der Anästhesie nicht mehr. 

Nach der missglückten Lachgas-Demonstration hatte er seine 

Zahnarztpraxis aufgegeben. Vergeblich versuchte er, als Erfinder der 

Inhalations-Narkose anerkannt zu werden, doch im frisch entbrannten 

Streit um diesen Titel konnte er sich nicht durchsetzen. Verbittert und 

durch viele Selbstversuche mit Lachgas, Äther und Chloroform geistig 

zerrüttet kam Horace Wells nach einem Säureanschlag auf zwei 

Prostituierte in das berüchtigte New Yorker Gefängnis ‚Tombs Prison'. Hier 

beging er am 23. Januar 1848 Selbstmord: er schnitt sich die 

Beinschlagader auf, zuvor hatte er sich mit Chloroform selbst betäubt 

Quelle: WDR 

Andreas Ras MSc

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