Andreas Ras MSc

Oralchirurgie Implantologie Zahnmedizin
© Andreas Ras Kalkstr.122 51377 Leverkusen webmaster@andreasras.de

Geschichte der Lachgassedierung

Gase als Partydrogen und Jahrmarktsbelustigung

Bis  

Mitte  

des  

19.  

Jahrhunderts  

konnte  

man

von  

einer  

Operation  

ohne  

Schmerzen  

nur

träumen.     

1839     

schrieb     

der     

berühmte

französische   

Chirurg   

Louis   

Velpeau:   

"Die

Vermeidung        

von        

Schmerzen        

bei

Operationen       

ist       

eine       

märchenhafte

Vorstellung  

und  

man  

sollte  

sich  

heute  

nicht

mehr  

damit  

abgeben."  

Die  

meisten  

seiner

Zeitgenossen    

gaben    

ihm    

dabei    

Recht.

Kaum    

einer    

ahnte,    

dass    

die    

scheinbar

vergebliche    

Hoffnung    

auf    

schmerzfreie

Operationen  

bald  

erfüllt  

werden  

sollte  

–  

und

dass  

die  

Mittel  

dazu  

bereits  

vorhanden  

waren.  

Denn  

zwei  

Gase,  

die  

schon  

zu

Velpeaus   

Zeiten   

als   

Partydrogen,   

auf   

Jahrmärkten   

oder   

in   

Varietés   

für

Belustigung  

sorgten,  

sollten  

bald  

in  

den  

Dienst  

der  

Medizin  

treten:  

Lachgas

und Äther.

Vom Varieté in die Zahnarztpraxis: Selbstversuche mit Lachgas

Am  

10.  

Dezember  

des  

Jahres  

1844  

besuchte

der   

Zahnarzt   

Horace   

Wells   

(1815-1848)   

in

der   

Kleinstadt   

Hartford   

nahe   

Boston   

eine

solche           

Varieté-Vorstellung.           

Dabei

beobachtetet   

er   

etwas   

Sonderbares:   

Ein

Mann    

zog    

sich    

im    

Lachgasrausch    

eine

große  

Wunde  

im  

Unterschenkel  

zu,  

schien

dabei  

aber  

keinerlei  

Schmerz  

zu  

empfinden.

Niemand    

sonst    

fiel    

diese    

merkwürdige

Begebenheit  

auf.  

Doch  

Wells  

ließ  

gleich  

am

nächsten     

Tag     

den     

Varieté-Chef,     

einen

gewissen  

Colton,  

in  

seine  

Praxis  

kommen  

und

sich  

mit  

Lachgas  

betäuben.  

Ein  

Weisheitszahn,  

der  

ihn  

selbst  

seit  

längerem

plagte,  

sollte  

die  

Probe  

aufs  

Exempel  

abgeben.  

Die  

Operation  

glückte  

–  

Wells

spürte  

bei  

der  

Extraktion  

des  

Zahns  

durch  

seinen  

Gehilfen  

nur  

ein  

schwaches

Ziehen

Die erste Lachgas-Narkose war ein peinlicher Fehlstart

Danach     

testete     

der     

Zahnarzt     

seine

Entdeckung    

erfolgreich    

an    

Dutzenden

seiner   

Patienten,   

bevor   

er   

fünf   

Wochen

später,    

am    

25.    

Januar    

1845,    

an    

die

Öffentlichkeit     

ging.     

Im     

Massachusetts

General    

Hospital    

in    

Boston    

sollte    

die

narkotisierende  

Wirkung  

von  

Lachgas  

vor

dem   

berühmten   

Chirurgen   

John   

Collin

Warren         

und         

anderen         

wichtigen

Persönlichkeiten     

demonstriert     

werden.

Doch    

die    

Vorführung    

misslang:    

Wells

musste  

den  

Ballon  

mit  

dem  

Lachgas  

zu  

früh

zurückziehen,   

weil   

der   

Chirurg   

auf   

einen   

raschen   

Beginn   

des   

Eingriffs

drängte.  

Die  

Dosis  

war  

zu  

gering,  

der  

Patient  

schrie  

auf  

vor  

Schmerz  

und

Horace Wells musste unter Hohngelächter den Hörsaal verlassen.

Die Geburtsstunde der modernen Anästhesie

Inzwischen        

hatte        

ein        

ehemaliger

Angesteller  

und  

Schüler  

von  

Wells,  

William

Thomas   

Green   

Morton   

(1819-1868),   

das

Potenzial   

von   

Wells'   

Entdeckung   

erkannt

und    

ebenfalls    

mit    

Untersuchungen    

zur

Anästhesie  

begonnen.  

Allerdings  

benutzte

er    

nicht    

Lachgas    

wie    

Wells,    

sondern

experimentierte   

mit   

Äther,   

einem   

leichter

verfügbaren,    

da    

flüssigen    

Stoff.    

Nach

zahlreichen   

Ätheranästhesien   

an   

seinen

Patienten  

wandte  

er  

sich  

wie  

vor  

ihm  

Wells

an  

den  

berühmten  

Chirurgen  

Warren,  

um  

mit

seinem  

Verfahren  

an  

die  

Öffentlichkeit  

zu  

gehen.  

Morton  

erkannte,  

dass  

Äther

als   

Dampf   

aus   

einem   

geschlossenen   

Behälter   

eingeatmet   

werden   

sollte.

Bisher   

hatte   

man   

ihn   

auf   

ein   

Taschentuch   

geträufelt,   

Morton   

entwickelte

einen    

Glaskolben    

mit    

zwei    

Öffnungen.    

In    

diesem    

befand    

sich    

ein

äthergetränkter   

Schwamm.   

Der   

Patient   

atmete   

durch   

diesen   

Glaskolben

hindurch  

die  

Mischung  

aus  

Luft  

und  

Äther  

ein,  

die  

Ausatmung  

erfolgte  

über

ein  

Ventil.  

Das  

erste  

halboffene  

Narkosesystem  

war  

geboren.  

Morton  

ließ

einen  

Patienten,  

einen  

zwanzigjährigen  

Druckergehilfen,  

drei  

Minuten  

lang

Luft  

aus  

dem  

Glaskolben  

einatmen.  

Der  

Mann  

wurde  

bewusstlos,  

und  

der

Chirurg  

schnitt  

einen  

Tumor  

an  

seinem  

Hals  

in  

wenigen  

Minuten  

heraus.  

Am

Ende  

der  

Prozedur  

stöhnte  

der  

Patient,  

doch  

nach  

dem

Aufwachen  

gab  

er  

an,

keine  

Schmerzen  

gehabt  

zu  

haben.  

Am  

nächsten  

Tag  

wurde  

das  

Verfahren

erneut  

erprobt  

–  

abermals  

erfolgreich.  

Das  

Zeitalter  

der  

modernen

Anästhesie

war angebrochen.

Siegeszug der Inhalationsnarkose

In  

Europa  

verbreitete  

sich  

die  

Kunde  

der  

ersten  

Äthernarkose  

schnell,  

aber

die  

Skepsis  

gegenüber  

der  

Möglichkeit  

von  

schmerzfreien  

Operationen  

war

so  

groß,  

dass  

man  

die  

Sache  

zunächst  

als  

typischen  

"Yankee-Unsinn"  

abtat.

Doch  

nach  

den  

ersten  

in  

Europa  

durchgeführten  

Narkosen  

war  

der  

Siegeszug

der  

Ätherbetäubung  

nicht  

mehr  

aufzuhalten.  

In  

der  

Folgezeit  

schien  

zunächst

das   

1831   

entdeckte   

Chloroform   

Äther   

als   

Inhalaltionsmittel   

der   

Wahl   

zu

verdrängen,    

doch    

es    

kam    

dabei    

immer    

wieder    

zu    

Todesfällen    

durch

Überdosierung,    

so    

dass    

sich    

ab    

den    

1870er    

Jahren    

Äther    

endgültig

durchzusetzen   

begann.  

Auch   

Lachgas   

erlebte   

Ende   

des   

19.   

Jahrhunderts

eine Renaissance

Ende mit Selbstmord - unter Narkose

Horace  

Wells  

jedoch  

erlebte  

den  

Triumphzug  

der

Anästhesie  

nicht  

mehr.  

Nach

der   

missglückten   

Lachgas-Demonstration   

hatte   

er   

seine   

Zahnarztpraxis

aufgegeben.   

Vergeblich   

versuchte   

er,   

als   

Erfinder   

der   

Inhalations-Narkose

anerkannt   

zu   

werden,   

doch   

im   

frisch   

entbrannten   

Streit   

um   

diesen   

Titel

konnte  

er  

sich  

nicht  

durchsetzen.  

Verbittert  

und  

durch  

viele  

Selbstversuche

mit  

Lachgas,  

Äther  

und  

Chloroform  

geistig  

zerrüttet  

kam  

Horace  

Wells  

nach

einem  

Säureanschlag  

auf  

zwei  

Prostituierte  

in  

das  

berüchtigte  

New  

Yorker

Gefängnis  

‚Tombs  

Prison'.  

Hier  

beging  

er  

am  

23.  

Januar  

1848  

Selbstmord:  

er

schnitt  

sich  

die  

Beinschlagader  

auf,  

zuvor  

hatte  

er  

sich  

mit  

Chloroform  

selbst

betäubt

Quelle: WDR 

Andreas Ras MSc

Oralchirurgie Implantologie Zahnmedizin